Gespeichert unter: Perspektiven für den Spielplatz
Der Abenteuerspielplatz besteht nun bereits seit über 25 Jahren. In dieser Zeit hat sich nicht nur die Gesellschaft verändert, sondern auch die Lebenssituation und Bedürfnisse der Kinder.
So stellt sich natürlich die Frage, ob der ASP überhaupt noch zeitgemäß ist!?
Der Computer und das Fernsehen beschäftigen Kinder in zunehmendem Maße. Viele Kinder sind in Vereinen, Musikgruppen oder anderen Beschäftigungsgruppen eingebunden. Ein immer größerer Augenmerk liegt auf „Events“ für Kinder, hinter denen fast nie eine pädagogische Absicht steht, sondern diese meist eine reine Freizeitbeschäftigung darstellen. Das Treffen von Kindern zum Spielen auf der Straße ist durch den wachsenden Verkehr und die abnehmenden Kinderzahlen fast nicht mehr möglich. Dies führt auch dazu, dass Kinder zu geplanten Aktivitäten gebracht werden. Im Unterschied zu kommerziellen Freizeitgestaltungen ist der Besuch des Abenteuerspielplatzes kostenlos.
Leistungsdenken bestimmt das Kinderalter immer früher. Selbst Eltern, die sich sehr für ihre Kinder engagieren, können den Zwängen der Gesellschaft oft nicht entgehen. Die Nutzung der neuen Medien hat oft zur Auswirkung dass Kinder Erfahrungen virtuell sammeln. Der Bewegungsdrang von Kindern wird oft als anstrengend empfunden – überhaupt sind Kinder oftmals ein unerwünschter Störfaktor.
Unsere Gesellschaft fordert unseren Kindern kaum körperliche Bewegung ab. Die Kinder können deshalb ihre körperlichen Möglichkeiten und Grenzen, durch die mangelnde Erfahrung, nur noch selten realistisch einschätzen. Dies birgt die Gefahr, dass sie sich körperlich überschätzen und sich verletzen.
Der Abenteuerspielplatz soll den Kindern Möglichkeiten bieten, die für sie so wichtigen, unmittelbaren Erfahrungen zu sammeln. Hier können sie alle Sinnesorgane einsetzen, um die Welt im wörtlichen Sinne zu „begreifen“. Der Körper wird bewusster wahrgenommen, die Motorik verbessert und die Umwelt intensiver erlebt. Auf dem Abenteuerspielplatz sollen Kinder sich bewegen, laut sein dürfen, mit Werkzeug umgehen lernen und vieles mehr. Anders als in der Schule können die Kinder auf dem Spielplatz ihre Zeit und ihre Aktivität selbst nach ihren eigenen Vorstellungen bestimmen. Wenn sie sich z.B. eine Hütte bauen, können sie erfahren, was es heißt, selbst zu planen, der Phantasie freien Lauf zu lassen, was körperliche Anstrengung ist und wie viel Freude ein fertiges Ergebnis bringen kann. Durch den Umgang und das gemeinsame Handeln mit anderen Kindern erwerben sie vielfältige soziale Erfahrungen.
Der Abenteuerspielplatz will nicht nur freien Raum für Kinder bieten, sondern sie auch fördern und fordern. Deshalb ist es unerlässlich, dass die Kinder professionelle Unterstützung und Betreuung erhalten. Viele Kinder brauchen Anleitung und Anregungen bei ihrer freien Freizeitgestaltung. In Konfliktsituationen sind die Betreuungspersonen Ansprechpartner und Schlichter. In zunehmendem Maße sind die MitarbeiterInnen Vermittler von lebenspraktischen Fähigkeiten und Orientierung in einer komplexer werdenden Gesellschaft. Dies ist aber nur dann gewährleistet, wenn die BetreuerInnen eine entsprechende qualifizierte Berufsausbildung absolviert haben.
In einer Gesellschaft, in der Dienstleistungen und Medien aller Art einen hohen Stellenwert einnehmen, entfernen sich die Kinder von der natürlichen, unmittelbaren Entdeckung ihrer Welt. Daraus ergeben sich noch nicht abschätzbare Konsequenzen, wie z.B. der Verlust des Wissens um Naturzusammenhänge. Dieser Trend wird sich in den nächsten Jahren noch verstärken, so dass Abenteuerspielplätze als wichtige Gegenpole erhalten bleiben müssen.